Ghetto beuys

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Beuys in the Hood.

Mein erstes Mal.

Mit Beuys.

Ein Museum mit dem Namen Hamburger Bahnhof, direkt am Berliner Hauptbahnhof.

Januar 2009.

Eine Ausstellung über das Leben und mit Werken von Beuys.

Manche Räume riechen nach altem Fett.

"Die Revolution sind wir.", steht an allen Ecken und Enden geschrieben, ein kahlköpfiger Museumswächter läuft vor dem Schriftzug auf und ab. Es steht ungefähr eins zu eins, auf jeden Museumsbesucher kommt ein Sicherheitspersonalist. Ich fühle mich beobachtet. Und dann dieser Beuys, der mir aus allen laufenden Fernsehern sagt "Jeder ist ein Künstler", der ein Revolutionär ist und zur gesamtgesellschaftlichen Revolution aufruft, in jedem Werk, dieser Beuys wird bewacht - von ordentlichem Wachpersonal - es könnte ja jemand in einem unbeobachteten Moment heimlich Kunst machen. Klauen wird da bestimmt keiner was, was denn auch? Lohnt sich ja nix zu klauen, das einzige was man bei Beuys klauen kann ist seine Vision von einer besseren Welt, und danach fehlt auch niemandem was. Die Kunstobjekte an sich will Niemand in seinem Zimmer haben, hässliches Zeug, sehr hässlich. Auch die Zeichnungen, naja, ich sach ma' mein Sudelbuch und meine Altpapierkiste sehen auch nicht besser aus - und da sind auch tolle Ideen drin, aber handwerklich sauber ausgeführt ist da nix, und schön, oder formvollendet ist da auch nix.

Nun, die Zitate an den Wänden sind schön, und man verstehe mich nicht falsch, ich mag die Aussage von Beuys, aber sie passt eben auch auf eine Zeitungsseite - und gut ist.

Andererseits ist es natürlich schön im Werk eines Künstlers spazieren zu gehen, in einem schönen Gebäude, alles schön präsentiert, also ein schönes Lustwandeln und ein interessanter, skurriler und lustiger Gedankenspaziergang.

Gesamtaussage von Beuys in Kurzform:

Habt euch alle lieb und lasst uns zusammen eine bessere Welt leben.

Da unterschreibe ich doch glatt.

Jetzt aber zurück ans Werk, die rettet sich ja nicht von selber, die Menschheit, da müssen wir schon was machen, nämlich uns verändern, von Schädlingen zu Nützlingen, und dafür müssen wir erstmal lernen wie das geht, "nützlich sein" - und dieses Lernen bedarf anstrengender geistiger Aktivität und Konzentration, und ich fürchte, wir sind nicht bereit ausreichend viele, sinnvolle und praktisch anwendbare Fähigkeiten zu erlernen. Es ist viel einfacher weiter wie Beuys Kunst für eine bessere Welt zu machen, Politik für eine bessere Welt zu machen, über eine bessere Welt nachzudenken, über eine bessere Welt zu philosophieren und zu diskutieren, über eine bessere Welt zu reden und zu labern - das ist nicht schwer. Aber diese alte und weit verbreitete Idee auch umzusetzen, in Gang zu bringen, durch Innovation und Erfindungen, durch Innovation im Design unserer Produktionsprozesse, beim Fördern und recyclen unserer Rohstoffe, durch konkrete Neugestaltung unserer gesamten Welt - das ist schwer.

Doch ich glaube an dich, du bist stark genug.


Herzlichst,

dein Ghetto Beuys.


Mit dem Motorpflug durch Beuysbetrug

Eine Stichwortkaskade, ein Assoziationswasserfall.

Der Filzanzug, der Filz, die blöde Batterie, die keine ist, die Metaphysik mit Pseudophysik, das anstrengende umschreiben von Liebe durch ekelhafte Objekte, die billige Provokation durch Kackwürste aus Stahl und Eisen, das lächerliche bewachen dieses Schrotts, das anbeten einer Beuys-Götze, das absurdeste ist der Film über Beuys der einen Fernseher mit Boxhandschuhen verkloppt, und ich soll mir das wiederum im Fernsehen anschauen?, und dabei brav bleiben, immer schön brav bleiben in der Beuys-Ausstellung, selber mal am Rad drehen, selber Kunst machen, Fehlanzeige, kein offener Kunstraum, nein, ein eingeschlossener Traum, eingesperrt, einbalsamiert, mumifiziert, auch die Fettblöcke der Ewigkeit vergammeln langsam, aber sicher, der Honig, ja, den mag ich auch, Jesus aber nicht so, und das Kreuz wird weiter mystifiziert anstatt es einfach zu erklären, überhaupt, das einfache Erklären liegt dem Beuys wohl nicht, aber der Handwerker langweilt sich wohl und fragt was so n Scheiss wohl soll, die armen Securities, jeden Tag müssen sie da rumstehen, auf und ab gehen, die sind die wahre Ausstellung, ein Trauerbild, Verschwendung von menschlichem Material, als Wächter missbraucht, grausam, verstümmelte Puppen, bewachen große Klumpen von ranzigem Koyotenfett, wieviele Koyoten mussten dafür sterben?, Apropos Koyote, der war sehr niedlich, aber garantiert keine ernste Gefahr, ein sehr schlaues und lustiges Tier, der hatte seinen Spass an dem Filz, den hätten die aber nicht ins Museum gelassen, Koyoten bitte draussen bleiben, Jaja, nää nää, ja ja ja, nä nä nä, das war das beste, schön über allem auf der Galerie stehen und ja ja ja, nä nä nä hören, und sich von oben alles anschauen, das würde sich als Video lohnen, wirklich, die Zeichnungen, eine Enttäuschung, lächerlich gegen M.C. Escher oder Alex Grey, oder mittelgutes Graffiti, seine Gedanken waren gut, aber sein grafisches Werk kam nie über die Skizze hinaus, Schrott, die gesammelten Werke einer zehnten Klasse aus dem Kunstunterricht sind grafisch interessanter, und sicher auch bunter, bei Beuys ist alles braun, und ständig hebt jemand den Arm hoch, na gut, er war ja auch Bomberpilot, das Schwein, der Mörder, klar, der hatte ne Hitlerpsychose und musste danach Jesus spielen, es geht aber nicht um "danach" denken, es geht um "davor" denken, ich meine, danach ist besser als nichts, aber davor, das ist Genie, na gut, jeder darf aus Fehlern lernen, aber insjesamt künstlerisch billig. Erweiterter Kunstbegriff? Bullshit. Klar, Leben ist Kunst und Wissenschaft ist Kunst und Architektur und Bau und Design und Mechanik und Forschung und Mathematik, alles ist Kunst, aber nicht alle Kunst ist Wissenschaft. Kunst ist Spaß und Reflektion, ausrasten im Sandkasten, wildes Visionieren und multi-materielles Schwadronieren, ekstatisches Experimentieren, aber Kunst dient über das Spiel der Gedanken hinaus keiner konkreten Veränderung. Ingenieure und Maschinenbauer, Chemiker, Physiker, Programmierer und Elektrotechniker verändern die Welt, Bauern, Bauarbeiter, Fabrikarbeiter, Roboter, Ärzte, Krankenschwestern verändern die Welt - aber Künstler? Die machen nur Kunst. Kunst alleine reicht nicht. Kunst ist wichtig, aber nur als ein Teil des gesamten menschlichen Ausdrucksspektrums, nur als ein Teil der gesamten Tätigkeit eines Menschen, wie war das doch, ein ausgeglichener Mensch muss einer körperlichen Aktivität nachgehen, mit den Händen arbeiten, einen wachen Geist haben und dann gelegentlich zum aus Ausgleich sich an der Kunst betätigen. Oder um ein bekanntes Lied umzudichten. "Ja, der Beuysi der ist Künstler, und Künstler sein ist schwer, und wer so Kunst ist wie der Beuysi, der ist sonst garnix mehr."


Ihr wollt mich falsch verstehen, näch?

Der Beuysi ist toll, aber seine Gesamtaussage passt auf ein Blatt Papier, und deshalb ist ein ganzer Tag, geschweige denn ganze Bücher und Studiengänge Zeitverschwendung, Verschwendung von menschlichem Potential, wir brauchen das für sinnvolle Aktivitäten, wie zum Beispiel Cradle-to-Cradle - Beuys würde weinen, wenn er euch in dieser klinisch toten Ausstellung sähe.

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